23. März 2025

Liquiditätsplanung wird zum Wettbewerbsvorteil

Kleine und mittlere Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen. Steigende Zinsen, verzögerte Zahlungen und unvorhersehbare Kosten – wer den Überblick über seine Cashflows verliert, riskiert mehr als nur Planungsunsicherheit. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sich Liquiditätsmanagement verändert hat und was Betriebe jetzt besser machen können.

Finanzplanung am Arbeitsplatz mit digitalen Tools

Warum klassische Tabellen nicht mehr reichen

Viele Unternehmen arbeiten noch mit Excel-Listen, die einmal im Monat aktualisiert werden. Das Problem: Bis die Zahlen eingetragen sind, haben sie sich schon wieder geändert. Rechnungen kommen früher, Kunden zahlen später, und plötzlich fehlt das Geld für eine wichtige Investition.

Die Lösung liegt nicht in komplizierteren Tabellen, sondern in dynamischen Systemen, die echte Echtzeit-Einblicke bieten. Unternehmen, die ihre Liquidität täglich im Blick haben, treffen bessere Entscheidungen – und zwar bevor Engpässe entstehen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Wiesbadener Handwerksfirma konnte durch tägliches Monitoring vermeiden, dass eine verspätete Kundenzahlung zu Lieferengpässen führte. Statt abzuwarten, wurden Alternativen rechtzeitig organisiert.

Analyse von Finanzdaten und Cashflow-Prognosen

Prognosen erstellen, die wirklich funktionieren

Die meisten Betriebe planen ihre Liquidität auf Basis von Durchschnittswerten. Das klappt solange, bis etwas Unerwartetes passiert – und das tut es meistens. Saisonale Schwankungen, veränderte Zahlungsziele oder neue Lieferanten bringen schnell alles durcheinander.

Moderne Ansätze berücksichtigen historische Daten, aber auch flexible Szenarien. Was passiert, wenn ein Großkunde später zahlt? Wie wirkt sich eine zusätzliche Bestellung auf die kommenden Wochen aus? Solche Fragen lassen sich heute viel präziser beantworten als früher.

Teamarbeit bei der Finanzstrategie-Entwicklung

Liquidität als Teamaufgabe verstehen

Früher war Cashflow-Management Chefsache. Heute funktioniert das nicht mehr so gut. Vertrieb, Einkauf und Buchhaltung müssen zusammenarbeiten, damit alle Informationen rechtzeitig da sind, wo sie gebraucht werden.

Das klingt erstmal nach mehr Aufwand, aber in Wirklichkeit spart es Zeit. Wenn alle auf dieselben Daten zugreifen und verstehen, wie ihre Entscheidungen die Liquidität beeinflussen, passieren weniger Überraschungen. Und ehrlich gesagt: Überraschungen im Finanzbereich sind selten angenehm.

Ein häufiger Fehler: Der Vertrieb verspricht schnelle Lieferung, ohne zu prüfen, ob die Liquidität für kurzfristige Materialbeschaffung ausreicht. Solche Abstimmungslücken kosten am Ende mehr als nur Nerven.

Moderne Finanztools und digitale Lösungen im Einsatz

Digitale Tools nutzen – aber richtig

Es gibt mittlerweile unzählige Programme, die besseres Liquiditätsmanagement versprechen. Nicht alle halten, was sie versprechen. Manche sind zu kompliziert, andere zu oberflächlich. Die Kunst liegt darin, ein System zu finden, das zur eigenen Arbeitsweise passt.

Ein gutes Tool sollte nicht nur Zahlen anzeigen, sondern auch Zusammenhänge erklären. Warum ist die Liquidität gesunken? Welche Posten haben sich verändert? Und vor allem: Was kann man jetzt konkret tun? Ohne diese Antworten bleibt selbst das schönste Dashboard nutzlos.

Praktische Ansätze für mehr Kontrolle

Liquiditätsmanagement muss nicht kompliziert sein. Hier sind ein paar Gedanken, die wir aus Gesprächen mit verschiedenen Betrieben mitgenommen haben.

Zahlungsziele aktiv gestalten

Viele Unternehmen akzeptieren einfach die Zahlungsziele, die ihnen vorgesetzt werden. Dabei lässt sich oft verhandeln – vor allem bei langjährigen Geschäftspartnern.

Manchmal reicht schon ein Skonto-Angebot, um Zahlungen früher zu bekommen. Oder man vereinbart gestaffelte Zahlungen bei größeren Aufträgen. Solche Anpassungen können den Unterschied machen zwischen entspannter Planung und hektischem Krisenmanagement.

Porträtfoto von Kristin Waldmann
Kristin Waldmann
Finanzberaterin

Puffer einplanen – aber realistisch

Jeder weiß, dass man Reserven braucht. Die Frage ist nur: wie viel? Zu wenig Puffer ist riskant, zu viel bindet unnötig Kapital, das man anderswo besser einsetzen könnte.

Eine Faustformel gibt es nicht, aber ein Blick auf vergangene Schwankungen hilft. Wie stark variieren die monatlichen Zahlungen? Gibt es wiederkehrende Muster? Daraus lässt sich ein Puffer ableiten, der weder zu knapp noch übertrieben ist.

Früherkennung statt Feuerwehr

Die besten Lösungen entstehen, wenn noch Zeit zum Nachdenken bleibt. Wer erst reagiert, wenn das Konto im Minus ist, hat kaum Spielraum für gute Entscheidungen.

Regelmäßige Check-ins – am besten wöchentlich – helfen dabei, Trends frühzeitig zu erkennen. Sinkt die Liquidität langsam? Gibt es Verzögerungen bei bestimmten Kunden? Solche Signale sind wertvoll, wenn man sie rechtzeitig bemerkt.

Externe Unterstützung nutzen

Manchmal hilft es, jemanden von außen draufschauen zu lassen. Nicht weil man selbst etwas falsch macht, sondern weil eine externe Perspektive andere Fragen stellt.

Berater können Prozesse hinterfragen, die intern längst zur Routine geworden sind. Vielleicht gibt es einfachere Wege, vielleicht übersieht man Optimierungspotenzial. Ein offenes Gespräch schadet selten – und oft bringt es mehr, als man vorher dachte.

Möchten Sie Ihre Liquiditätsplanung verbessern?

Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Cashflows besser zu verstehen und zu steuern. Keine vorgefertigten Lösungen, sondern individuelle Ansätze, die zur Situation passen. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wo Verbesserungspotenzial liegt.